Vielleicht haben auch Sie diese Situation schon einmal erlebt: Sie kommen in ein volles Wartezimmer, grüßen – und ernten nur missmutige Blicke. Ein solches Erlebnis frustriert und kann den Besuch beim Arzt unangenehmer machen als er sein müsste.
Damit sich sowohl die Patienten, als auch das Personal in der Arztpraxis wohlfühlen, kann gutes Benehmen im Wartezimmer nicht schaden. Der kleine Wartezimmer-Knigge hilft Ihnen dabei, Fettnäpfchen und damit schlechte Laune vor der Sprechstunde zu vermeiden.
Im Wartezimmer muss nun einmal gewartet werden
Drei von vier Österreichern müssen lange auf einen Termin beim Kassenarzt warten. Das kann frustrieren. Noch größer wird dieser Frust, wenn Sie es endlich in die Praxis geschafft haben, aber nun Ihre Zeit im Wartezimmer verbringen müssen. Und scheinbar jeder, der nach Ihnen gekommen ist, vor Ihnen ins Sprechzimmer gebeten wird.
Machen Sie sich in einem solchen Moment klar: Das Wartezimmer trägt seinen Namen nicht ohne Grund. Es dient einem bestimmten Zweck. Hier können Sie bequem darauf warten, zu Ihrem Arzt oder der Ärztin vorgelassen zu werden.
Wann das geschieht, entscheidet nicht zwingend der Termin, der Ihnen im Vorfeld zugeteilt wurde. Das fühlt sich vielleicht ungerecht an. Doch die Reihenfolge der Patienten wird vom medizinischen Personal festgelegt. Hauptsächlich nach Dringlichkeit.
Trösten Sie sich also mit dem Gedanken: Jemandem, der vor Ihnen ins Sprechzimmer darf, obwohl er später gekommen ist, geht es vermutlich schlechter als Ihnen.
Nur das Telefon am Empfang sollte klingeln
Österreichs Arztpraxen haben mit immer mehr Terminanfragen zu kämpfen. Dadurch scheint das Telefon an der Anmeldung nicht still zu stehen.
Besetzte und überlastete Telefonleitungen sind weder für die Anrufer noch für die Mitarbeiter am Empfang eine Freude. Für eine generelle Entlastung bieten zahlreiche Praxen wie der Radiologe Währing inzwischen Online-Terminvereinbarungen an.
Trotz der Möglichkeit, Termine online oder per E-Mail auszumachen, bleiben Telefonanrufe natürlich nicht aus. Insbesondere das wiederholte Klingeln kann an den Nerven zerren, wenn man bereits einige Zeit im Wartezimmer verbracht hat. Umso mehr, wenn auch bei einigen Wartenden ständig das Smartphone bimmelt, pingt oder andere Laute von sich gibt.
Um im Wartezimmer nicht für zusätzliche Anspannung zu sorgen, empfiehlt es sich daher, das Handy bereits vor dem Betreten der Praxis lautlos zu stellen. Wer doch einmal telefonieren muss, sollte den Raum zuvor verlassen.
Bietet der Flur der Praxis keine Möglichkeit, sich für ein privates Gespräch zurückzuziehen, geht es eben vor die Tür. Dort können Sie ungestört telefonieren, ohne Ihre Mitmenschen zu unfreiwilligen Zuhörern zu machen.
Fassen Sie sich aber dennoch kurz. Verpassen Sie durch einen langen Anruf Ihren Arzttermin, müssen Sie entweder eine noch längere Wartezeit in Kauf nehmen oder sogar eine Stornogebühr bezahlen. Dieses Ausfallhonorar kann sich insbesondere bei Wahl- und Fachärzten auf 75 bis 100 Euro belaufen.
Tipp: Sie müssen Ihr Smartphone im Wartezimmer nicht zwingend ausschalten. Nutzen Sie es, um Ihre E-Mails zu lesen, Fotos anzuschauen oder ein Online-Spiel zu spielen, fallen Sie nicht negativ auf. Solange sie sämtliche Tonfunktionen abschalten.
Leise Freundlichkeit führt zu besserer Laune
Sie wollen sich beim Arzt ins Wartezimmer setzen und stehen vor verschlossener Tür? In so mancher Praxis ist das üblich, um die Wartenden vom Praxisalltag abzuschirmen und Patienten während der Behandlung mehr Privatsphäre zu gönnen.
Vor dem Eintreten müssen Sie nicht erst an die Tür klopfen. Schließlich liegt es in der Natur der Sache, dass weitere Personen in den Raum kommen. Öffnen Sie die Tür jedoch vorsichtig. Sie müssen immer damit rechnen, dass dahinter jemand steht. Insbesondere dann, wenn zu vermuten ist, dass sich bereits viele Menschen im Wartezimmer versammelt haben.
Treten Sie schließlich ein, gehört ein leiser Gruß zum guten Ton. Dabei liegt die Betonung auf „leise“.
Schmettern Sie den Anwesenden ein „Guten Tag“ oder „Hallo“ entgegen, mag das nett gemeint sein. Die Lautstärke kann jedoch schnell unangenehm oder gar erschreckend wirken.
Übrigens: Wer seinen Gruß mit einem Lächeln untermalt, kann im Wartezimmer gleich für ein kleines Stimmungshoch sorgen.
Lesen ist erlaubt, schreiben nicht
Wer sich im Wartezimmer nicht mit dem Handy beschäftigen möchte, findet meist ein paar ausgelegte Zeitungen und Zeitschriften. Mit diesem mehr oder minder spannenden Lesestoff lässt sich die Zeit vertreiben, bis Sie endlich ins Sprechzimmer dürfen.
Aber Achtung: Die Blätter sind ausschließlich zum Lesen gedacht. Das gilt auch für darin befindliche Kreuzworträtsel.
Sie können sie anschauen, knobeln – aber auf keinen Fall die Lösung in die Kästchen schreiben. Denn einerseits ist die Zeitschrift nicht Ihr Eigentum und andererseits rauben Sie späteren Wartenden damit den Rätselspaß.
Möchten Sie beim Warten Kreuzworträtsel lösen, nehmen Sie sich am besten ein eigenes Heft mit. Alternativ greifen Sie zu einem Bleistift mit Radiergummi am anderen Ende. Mit ihm können Sie die Lösung dünn in die entsprechenden Felder schreiben und anschließend sauber wieder wegradieren.
Rücksichtnahme hört nicht beim Reden auf
Treffen Sie im Wartezimmer auf einen Bekannten, ist natürlich nichts gegen ein Schwätzchen einzuwenden. Allerdings am besten im Flüsterton. Unterhalten Sie sich in Zimmerlautstärke, lassen Sie schließlich alle Anwesenden an Ihren Gedanken teilhaben. Möchten Sie nicht, dass diese sich ins Gespräch einmischen, senken Sie die Stimme.
Doch nicht nur bei einer Unterhaltung ist Rücksichtnahme wichtig. Noch entscheidender wird sie, wenn die Stühle im Wartezimmer allesamt belegt sind, aber dennoch neue Patienten eintreffen. Befindet sich darunter eine Person, die unter Stehproblemen leidet, sollten Sie dieser Ihren Platz anbieten. Zumindest dann, wenn Sie selbst ohne Schwierigkeiten ein paar Minuten stehend überbrücken können.