Das Bundeskanzleramt meldete am 29.Juni 2026 rund sechs Millionen aktivierte ID Austrias. Dieselbe Aussendung nennt nun ein zweites Ziel für dieses Jahr, nämlich 200 zusätzliche Unternehmen als Service Provider zu gewinnen. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt der Grund, warum die staatliche digitale Identität im Behördenverkehr längst Alltag geworden ist und bei der Anmeldung auf privaten Portalen kaum vorkommt. Wer sich dort registriert, lädt in den meisten Fällen weiterhin ein Ausweisfoto hoch und wartet.
Sechs Millionen Ausweise und 200 geplante Firmenanbindungen
Im Vorjahr kam die Registrierungstour des Bundeskanzleramts auf genau 220 Servicestopps, bei denen rund 900.000 neue Registrierungen zusammenkamen. Zum Servicenetz zählen 1.447 Gemeinden ohne Wien, rund 70 Prozent.
Für Bürger bleibt der erste Schritt analog. Die Vollfunktion setzt einen Behördengang voraus, dazu einen gültigen Lichtbildausweis und ein Smartphone.
Ein Unternehmen, das die ID Austria in sein Online-Angebot einbauen möchte, muss sich zunächst als Service Provider registrieren, den technischen Anschluss herstellen und einen Testprozess durchlaufen, was kleinere Betriebe ohne eigene IT-Abteilung an einen IT-Dienstleister auslagern. Erst danach können Kunden sich dort mit behördlich geprüften Daten anmelden statt mit einem selbst gewählten Passwort. Jede Anbindung erfolgt einzeln.
Wie viele Firmen den Ausweis heute tatsächlich abfragen, gibt das Bundeskanzleramt nicht an. Genannt wird allein das Jahresziel für Neuanbindungen, und das liegt bei 200.
Der Bauplan der Kommission nennt Glücksspiel ausdrücklich
Die Europäische Kommission stellte am 14. Juli 2025 einen Bauplan für die Altersverifikation vor, der seit dem 15. April 2026 als funktionsreif gilt und von Mitgliedstaaten und Marktteilnehmern angepasst werden kann. Als Anwendungsfelder nennt sie Angebote mit Altersgrenze, darunter Pornografie, Glücksspiel und Alkoholverkauf.
Bis diese Prüfschicht in Österreich bereitsteht, bleibt die Einstufung solcher Anbieter Sache privater Vergleichsportale. Casino Guru bewertet das beste Online Casino, das in Österreich verfügbar ist, um nur ein Beispiel zu nennen. In den Unterlagen der Kommission wird sauber getrennt zwischen dem Nachweis einer Altersgrenze und der Offenlegung weiterer Daten, und genau diese Trennung leisten Ausweiskopien nicht.
Mini-Wallet nennt die Kommission ihre Lösung, weil sie auf denselben technischen Vorgaben aufsetzt wie die europäische Brieftasche für die digitale Identität. Beides soll bis Ende 2026 zur Verfügung stehen. Zum genauen Stichtag machen die veröffentlichten Unterlagen unterschiedliche Angaben.
Geplant ist ein Prüfsystem mit Listen anerkannter Aussteller und anerkannter Lösungen. Welche Anbieter darauf stehen werden, ist nicht entschieden.
Die eAusweise-App überträgt seit September 2023 nur eine Ja-Nein-Antwort
Als der digitale Altersnachweis im September 2023 in die App eAusweise kam, war er der erste dieser Nachweise ohne physisches Vorbild. Geprüft wird über einen QR-Code, den das Gegenüber scannt. Danach tauschen die beiden Telefone die Daten über eine verschlüsselte Bluetooth-Verbindung aus, ohne dass eines von beiden online sein muss.
Die Menge der übertragenen Daten ist relativ klein. Die prüfende Person sieht nur ein Lichtbild, das Datum der letzten Aktualisierung und die Antwort auf genau eine Frage. Name und Geburtsdatum bleiben im Gerät. Abfragen lassen sich sechs Stufen.
- ab 14
- unter 16
- ab 16
- unter 18
- ab 18
- ab 21
Prüfen darf grundsätzlich jeder, der die App eAusweise oder die zugehörige Prüf-App eAusweis Check installiert hat. Ein eigenes Kassensystem oder ein Vertrag mit einer Behörde ist dafür nicht nötig, was die Hürde für Lokale und Handel niedrig hält. Wer kontrolliert, muss allerdings Bluetooth und die Ortungsdienste freigeben, weil ältere Betriebssysteme Bluetooth ohne Standortfreigabe nicht zulassen.
Beide Geräte müssen dafür in Reichweite liegen. Das Verfahren greift an einer Einlasskontrolle und an der Supermarktkasse, im Anmeldeformular eines Online-Dienstes dagegen nicht. Der Nachweis gilt außerdem nur innerhalb Österreichs. Seine Ausstellerzertifikate sind international nicht anerkannt, eine ausländische Prüf-App würde ihn als nicht vertrauenswürdig ausweisen. Die ID Austria als solche funktioniert dagegen auch für Online-Anwendungen in anderen EU-Staaten.
70 Prozent der befragten Institute verloren Kunden beim Anmelden
Solange die staatliche Prüfschicht online fehlt, behelfen sich Anbieter mit hochgeladenen Ausweiskopien und manueller Kontrolle. Der Softwareanbieter Fenergo, der Programme für genau diese Verfahren verkauft, befragte für seinen Financial Crime Industry Trends Report 600 Entscheider aus Banken, Vermögensverwaltungen und Fondsverwaltungen. 70 Prozent von ihnen hatten im Vorjahr Kunden durch schwerfällige Anmeldeverfahren verloren, nach 67 Prozent im Jahr 2024 und 48 Prozent im Jahr 2023. Der Bericht erschien im Oktober 2025 und beziffert die durchschnittliche Abbruchquote beim Anmelden auf rund zehn Prozent. Die Reibung entsteht am Beginn der Kundenbeziehung, während moderne Geschäftskonten im laufenden Betrieb längst weitgehend automatisiert arbeiten. Befragt wurde in Singapur, den Vereinigten Staaten und Großbritannien, Österreich gehörte nicht zum Erhebungsgebiet.
Das Beschwerdezentrum desselben Vergleichsportals veröffentlichte für das erste Quartal 2026 nach eigenen Angaben 3.986 Beschwerden und schloss 1.321 Fälle ab. Die Stelle vermittelt zwischen Kunden und Anbietern und verfolgt im selben Markt eigene wirtschaftliche Interessen. Probleme bei der Identitätsprüfung und gesperrte Konten zählen dort zu den häufigsten Gründen, meist im Zusammenhang mit Auszahlungen. Im März rückten Streitfälle um Selbstsperren nach Angaben des Portals erstmals auf den zweiten Rang. Die meisten Fälle kamen aus Deutschland, Österreich taucht unter den fünf stärksten Herkunftsländern nicht auf.